Grundsatzprogramm


1.Präambel

Die Liberale Hochschulgruppe Jena versteht sich als Zusammenschluss liberaler Studierender und verfolgt das Ziel Studium, Forschung und Lehre mitzugestalten. Wir sehen in der Hochschule der Zukunft einen Raum, der Studierende in ihrem Selbstbild und in ihrer Rolle in der Gesellschaft bildet. Studierende sollen die Hochschulen entsprechend ihrer Neigungen und Wünsche selbst verändern können. Der Wunsch zu Freiheit und einem selbstbestimmten Studium sind die Leitgedanken der Liberalen Hochschulgruppe. Die Verpflichtung zur freiheitlich demokratischen Grundordnung und die Bedeutung der eigenen Vernunft sind Grenze und Auftrag zugleich. Wir unterstützen Diversität und Vielfalt in der Gesellschaft und nehmen diese in unsere Arbeit auf.

2. Hochschulpolitisches Mandat:

Die Liberalen Hochschulgruppe ergreift ein rein hochschulpolitisches Mandat. Sie wirkt aktiv an der politischen Willensbildung mit und artikuliert ihre Positionen und Argumente gegenüber politischen Entscheidungsträgern und der breiten Öffentlichkeit. Das hochschulpolitische Mandat zeichnet sich durch einen fairen und offenen Diskurs, der Orientierung an Fakten und Tatsachen und der Abwägung unterschiedlicher Argumente aus. Ein allgemeinpolitisches Mandat in hochschulpolitischen Gremien lehnen wir strikt ab.

3. Kooperationen:

Die Liberale Hochschulgruppe Jena fördert den hochschulpolitischen Diskurs und vernetzt sich deshalb mit anderen Hochschulverbänden, Partnerverbänden und der Öffentlichkeit. Die Zusammenarbeit kennt dabei keine natürliche Partnerschaft, sondern gründet sich auf die programmatische Diskussion einzelner Sachentscheidungen. Neben den politischen Hochschulverbänden spricht sich die Liberale Hochschulgruppe Jena für einen Austausch mit anderen studentischen Verbänden und Interessensgruppen aus, um auf die gegenwärtige Bildungspolitik Einfluss nehmen zu können. Neue Netzwerke bilden einen Motor der Innovationen und sind Teil des gelebten Diskurses. Der Austausch wird dabei nicht von Denkverboten beschränkt, sondern zeichnet sich durch seine generelle Offenheit aus. Die Liberale Hochschulgruppe Jenanimmtdie Argumente unterschiedlicher Akteure wahr und stellt diese in ein Verhältnis zu den eigenen Überzeugungen.

4. Anwesenheits- oder Präsenzpflicht:

Um ein möglichst barrierefreies Studium zu gewährleisten, spricht sich die Liberale Hochschulgruppe Jena gegen jede Form von Anwesenheits- oder Präsenzpflicht in Vorlesungen aus. Sprachkurse, (Labor-)seminare oder Exkursionen sind davon ausgenommen. Universitäres Lernen sollte an jedem Ort möglich sein und durch entsprechende Angebote gefördert werden. Die Implementierung von Onlineplattformen, Video- und Vorlesungsstreaming und die vollständige Digitalisierung von notwendigen Lernmaterialien ist Grundlage des digitalen Bildungswandels.

5. BAföG

Kein Studierender darf aufgrund der eigenen oder familiären finanziellen Lage von einem Hochschulstudium abgehalten werden. Wir sprechen uns daher für die Einführung eines eltern- und vermögensunabhängigen BAföGs aus. Das BAföG ist nach dem Studium anteilig zurückzuzahlen. Zusätzlich unterstützen wir aktiv den Ausbau des Stipendienwesens. Stipendien können dabei sowohl staatlich, als auch privat sein. Die LHG bekennt sich klar zur Förderung des Modells des Deutschlandstipendiums.

6.Hochschulzulassungsverfahren

Das Zulassungsverfahren für zentral beschränkte Studiengänge (Humanmedizin, Veterinärmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie) der Stiftung für Hochschulzulassung in Deutschland erwies sich in der Vergangenheit als unfair und wenig zielführend, da die Punktzahl der Hochschulzugangsberechtigung nicht alleine ausschlaggebend sein sollte. Die Liberale Hochschulgruppe Jena setzt sich daher für eine umfassende Reform des Zulassungssystems ein. Dabei sollte den Universitäten mehr Autonomie zugestanden werden und die Stiftung für Hochschulzulassung als Service-Instanz agieren, indem ihr Aufträge der Hochschulen für das Management des Zulassungsverfahren übertragen werden. Des Weiteren sollten fachbezogene Qualifikationen, die durch Praktika, vorhergegangenen Studiengänge, Bundesfreiwilligendienst, ein freiwilliges soziales Jahr oder durch einschlägige Berufspraxis erworben wurden, stärker berücksichtigt werden. Besonders wichtig sind in sozialen Berufen auch bereits erworbene Soft-Skills, die bisher überhaupt nicht zur Beurteilung eines Studienplatzbewerbers herangezogen werden. Ein  Verfahren zur Feststellung der Qualitäten der Bewerber könnte die Durchführung von Assessmentcentern sein. Diese stellen ein einfach durchzuführendes Verfahren dar. Durch die Kooperationen mit privaten Unternehmen können sich Hochschulen selbst entlasten.

7. Kein Verbot studentischer Verbindungen

Studentische Verbindungen sind historisch gewachsene Zusammenschlüsse von Studierenden, die weltweit existieren und einen kulturellen Beitrag,nicht nur für die studentische Gesellschaft,leisten. Aktuell werden sie jedoch oft missbilligt und zum Teil verallgemeinernd als extremistisch eingestuft. Als LHG treten wir daher für ein freies Entscheidungsrecht ein. Das jeder in seinem Studium die Möglichkeit der freien Entfaltung haben soll, sollten alle Studierenden selbst entscheiden können, ob sie sich einer Verbindung anschließen. Wir distanzieren uns jedoch von allen Verbindungen, die offen eine verfassungsfeindliche oder menschenverachtende Ideologie vertreten.

8. Öffentlichkeitsarbeit des Studierendenrates

Viele Studenten bekommen wenig bis keine Informationen vom StuRa. Deshalb ist weder großes Interesse für den StuRa noch starke Wahlbeteiligung an den jährlichen Wahlen vorhanden. Als Liberale Hochschulgruppe Jena fordern wir daher, dass die Arbeit des StuRa öffentlichkeitswirksamer gestaltet wird. Wir fordern daher die Möglichkeit der Live-Übertragung von Sitzungen zu überprüfen und zusätzlich zu den Protokollen der StuRa-Sitzungen eine leicht zugängliche und übersichtlicheBeschlussübersicht. Insbesondere im Bereich der Finanzen fordert die Liberale Hochschulgruppe Jena eine größere Transparenz.

9.Stellungnahme zu Quoten und Gendering

Die Liberale Hochschulgruppe Jena spricht sich gegen eine Quotierung und gegen das Gendering aus. Quoten sind künstlich geschaffene Rangfolgen (z.B. von Rednern in einer Diskussion), die bestimmte, oft angeblich benachteiligte Personengruppen in den Vordergrund rücken. So führt beispielsweise der Studierendenrat der FSU Jena eine mehrfach quotierte „RednerInnen-Liste“, welche die konstruktive Diskussion der Studierendenvertreter erschwert und damit wichtige Entscheidungsprozesse verzögert. Die Liberale Hochschulgruppe Jena fordert daher eine Ablehnung der Quoten im Studierendenrat und setzt sich für ein leistungsorientiertes Vergabesystem ein, in dem lediglich die Qualifikationen des Bewerbers für die Postenvergabe ausschlaggebend sind und niemand durch Quotierungen zu einer hilfsbedürftigen Minderheit deklariert wird. Ebenso verkompliziert Gendern die verbale und schriftliche Kommunikation und erschwert das gegenseitige Verständnis. Die Theorie des Genderns ist zudem nicht voll ausgereift und somit uneinheitlich. Daher sprechen wir uns gegen ein Gendern im Allgemeinen aus.